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    IPMZ: Finanzinvestoren im Medienbereich sind ‘keine apokalyptische Plage’

    In der aktuellen Ausgabe der medienwissenschaftlichen Fachzeitschrift “Media Perspektiven” setzt sich das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ) mit dem Einfluss privater Finanzinvestoren auf die europäische Medienbranche auseinander. Im Mittelpunkt steht die Frage, was von Finanzinvestoren im deutschen Mediengeschäft zu erwarten ist.

    Grundlage der medienpolitischen Einschätzung ist ein bereits im Frühjahr 2008 zum Thema veröffentlichtes Gutachten, das von der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) beim IPMZ, dem Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) und dem Hans-Bredow-Institut in Auftrag gegeben wurde. Deutlich wird: Finanzinvestoren verstärken lediglich den allgemeinen Trend hin zu einer zunehmenden Kommerzialisierung der Massenmedien. Auf journalistische Inhalte nehmen private Investoren hingegen kaum Einfluss, heißt es in dem IPMZ-Beitrag.

    An ausgewählten Fallbeispielen diskutiert der 12-seitige Beitrag drei Thesen über die Auswirkung von Medienengagements durch Finanzinvestoren:

    Finanzinvestoren im Medienbereich ordnen alle anderen Parameter der Steigerung des Unternehmenswertes unter.
    Finanzinvestoren im Medienbereich sind nicht an der publizistischen Leistung interessiert, sondern ausschließlich an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.
    Finanzinvestoren unterlassen häufig die Investitionen in mittel- oder langfristig laufende publizistische Projekte.
    Dass beispielsweise die Beteiligungsgesellschaften KKR und Permira seit ihrem Einstieg bei der ProSiebenSat.1-Gruppe besonders an einer Steigerung des Unternehmenswertes interessiert sind, sehen auch die schweizerischen Medienwissenschaftler als erwiesen an. Fragen der Wertschöpfung rangierten weit vor anderen Parametern.

    Auch die zweite These konnte die DLM-Analyse in großen Teilen bestätigen: Finanzinvestoren nehmen kaum direkten Einfluss auf die redaktionelle Arbeit ihrer Medienunternehmen. Zu publizistischen Eingriffen komme es aber zuweilen indirekt. So habe das Finanzmanagement der Beteiligungsgesellschaften Auswirkungen auf das Unternehmens- und Redaktionsmanagement, die Verschuldungsrate und Budgetumschichtungen. Als Beispiel verweist das IPMZ auf Anreizsysteme, die eine finanzielle Beteiligung am Unternehmenserfolg auf der Ebene des Managements vorsehen. “So einleuchtend solche Maßnahmen auch sind, so problematisch erscheinen sie im Zusammenhang mit publizistischen Medienunternehmen”, urteilen die schweizerischen Medienwissenschaftler über so genannte Incentivierungsmaßnahmen.

    Als wesentlicher Unterschied zum Einstieg strategischer Investoren im Medienbereich sei allerdings das Investitionsverhalten von Finanzinvestoren zu benennen. Dieses zeichnet sich laut IPMZ häufig durch kurzfristige Engagements aus. Zwar investierten private Finanziers in die publizistischen Projekte ihrer Zielunternehmen. “Dies ist aber selten eindeutig der Fall, sodass geplante Investitionen häufig auf spätere (wenn neue Investoren übernehmen) verschoben oder ganz unterlassen werden”, so die IPMZ-Mitarbeiter.

    Nicht haltbar sei hingegen der von Kritikern häufig geäußerte Vorwurf, dass Finanzinvestoren zur Optimierung des Cashflows zwangsläufig auf Personalabbau setzen. Das Engagement von Goldmann Sachs und Apax sowie später dann von Providence bei Kabel Deutschland habe beispielsweise keine Arbeitsplätze gekostet. Von 2003 bis Anfang 2008 sei die Zahl der Beschäftigten bei der größten Kabelgesellschaft in Deutschland um rund zehn Prozent angestiegen.

    Dass die ProsiebenSat.1 Media AG im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen 2006 ihr Arbeitsplatzangebot nahezu halbiert hat, erfolgte indes vor allem durch das Outsourcing von Nebengeschäften, wie die Autoren herausstellen. Überdies seien die meisten Arbeitsplätze bereits in der Zeit vor dem Einstieg der Kapitalbeteiligungsgesellschaften Permira und KKR im Jahr 2006 bei dem Münchener Medienunternehmen abgebaut worden, so die IPMZ-Wissenschaftler. Im Nachklang des Konkurses der Kirch-Gruppe sei die Zahl der Angestellten bei der ProSiebenSat.1-Gruppe von 2400 auf 1600 gesunken. Ende 2006 habe es noch 1150 Arbeitsplätze gegeben.



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