Das Engagement institutioneller Investoren in Private Equity bleibt allerdings stabil. In den nächsten 12 Monaten werden aber ein Viertel der nordamerikanischen Private Equity-Investoren ihre geplanten Private-Equity-Quoten in ihrem Gesamtportfolio überschreiten, Liquiditätsbedarf und die Portfolio-Umschichtung werden den Sekundärmarkt antreiben. Dies sind die Ergebnisse des aktuell erschienenen „Global Private Equity Barometer“. Erstellt durch Coller Capital, werden hierfür halbjährlich institutionelle Investoren in den USA, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum zu aktuellen Plänen und Markteinschätzungen befragt.
Die Studie zeigt, dass das Engagement der institutionellen Investoren in Private Equity-Anlagen stabil bleibt: 57 % der Limited Partners (LPs) erwarten 2009 einen unveränderten, 40 % sogar einen erhöhten Portfolioanteil. Bei der mittelfristigen Renditeerwartung prophezeien 43 % der befragten Investoren, für die nächsten drei bis fünf Jahre, eine durchschnittliche jährliche Nettorendite von mindestens 16 %. Daraus lässt sich ableiten, dass das Problem der Investoren nicht beim mangelnden Interesse an Private Equity liegt, sondern bei der Ausschöpfung der Allokationsgrenzen sowie bei Liquiditätsengpässen.
In der aktuellen Phase haben Private Equity-Fonds mit einer doppelten Belastung zu kämpfen. Der sogenannte Denominator-Effekt beschränkt weiteres Wachstum oder zwingt sogar zu Desinvestments. Aufgrund sinkender Bewertung der traditionellen Anlageklassen, wie z. B. Aktien, entsteht ein prozentual höherer Anteil am Gesamtportfolio als geplant und beabsichtigt. Außerdem sind von Private Equity-Fonds gehaltene Unternehmen momentan nur schwer zu veräußern und tragen so zu einem relativ geringen Liquiditätsrückfluss bei.
Dennoch, die schwierige Situation auf den Finanzmärkten und der negativen Konjunkturprognosen für die kommenden Quartale lassen laut „Global Private Equity Barometer“ die Globalisierung dieser Anlagenklasse nicht verlangsamen. Der Anteil der nordamerikanischen Investoren, die 6 % oder mehr ihres Private Equity-Portfolios im asiatisch-pazifischen Raum investiert haben, wird demnach in den kommenden Jahren von aktuell 41 % auf fast 70 % steigen. Dieser Trend zeigt sich auch bei europäischen LPs: Aktuell hat ein Drittel der Investoren mindestens 6 % in Asien investiert, Tendenz steigend.
Für deutsche Private Equity-Anlagen sieht man Nachholbedarf. Nach Einschätzung von Coller Capital fehlt es in Deutschland, verglichen mit den angelsächsischen Ländern, an großen Kapitalsammelstellen, die in ihren Investitionsentscheidungen die nötigen Spielräume haben, um die Chancen von Private Equity-Anlagen nutzen zu können. Wie wichtig eine größere Diversifizierung langfristiger Investments ist, zeigt die aktuelle Finanzkrise, die die Aktienbewertungen massiv gedrückt hat.