In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ wurde BVK-Präsident Dr. Hanns Ostmeier zu der Bedeutung und der gegenwärtigen Situation der Private Equity-Branche in Deutschland interviewt.
Laut Ostmeier ist die Private Equity-Branche in Deutschland nach den Boomjahren 2003 bis 2007 derzeit wieder auf dem Niveau des langfristigen Durchschnitts angekommen. Die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre schaffte einen Liquiditätsüberhang, der Unternehmensbeteiligungen unter Verwendung hoher Fremdkapitalmittel ermöglichte. Die Bewertung von Unternehmen lag entsprechend 60-80 % über dem marktgängigen Niveau. Diese Zeiten sind vorbei, so Ostmeier. Private Equity-Gesellschaften bringen derzeit Eigenkapitalmittel von 40 bis etwa 50 % für eine Beteiligung auf, teilweise wird der gesamte Kaufpreis durch Eigenkapital dargestellt. Dieser Trend wird sich auch zukünftig halten.
Dass teilweise auch Private Equity-geführte Unternehmen auf Grund der gegenwärtigen Krise von der Insolvenz betroffen sind, stellt Ostmeier ebenfalls fest. Er verwies zugleich jedoch auf die Tatsache, dass unter den 30.000 Insolvenzen pro Jahr nur ein Bruchteil auf Private Equity-Beteiligungen fällt. Die Private Equity-Branche ist zudem finanziell stark genug, auch krisengeplagte Portfoliounternehmen durch Kapitalbezuschussung – wie im Fall der Werkstattkette ATU – zu unterstützen. Kein Private Equity-Manager schickt vorsätzlich eine Beteiligung in die Insolvenz. Dies zerstört Werte, so Ostmeier.
Die Private-Equity-Gesellschaft Silverfleet Capital konnte mit dem Kauf des Wurstpellen-Herstellers Kalle eine der ersten größeren Transaktion seit September 2008 stemmen. Verkäufer war der Finanzinvestor Montagu. Die Transaktion markiert mit einem Volumen von 212,5 Mio. € zugleich einen der größten Beteiligungsverkäufe seit dem Ausbruch der Finanzkrise im August 2007.
Nach dem Kauf von Kalle durch Silverfleet gehören die Wiesbadener zum dritten Mal in Folge einem Finanzinvestor. Die ehemalige Tochter des Chemiekonzerns Hoechst war erstmals 1997 an CVC Capital verkauft worden. 2004 wurde die Kalle GmbH, die zuletzt einen Umsatz von 200 Mio. € erwirtschaftete, an Montagu weitergereicht. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat Montagu den finanziellen Einsatz während seines Engagements verdoppelt. Kalle gehörte zu einem Portfolio von 15 Unternehmen, die Teil eines im Jahr 2003 aufgelegten Fonds mit einem Volumen von zwei Mrd. Euro waren. Inzwischen sind elf Gesellschaften inklusive Kalle wieder verkauft.
Die Beteiligungsgesellschaft Advent will in den deutschen Gesundheitsmarkt einstiegen. Nach dem Kauf von Deutschlands größtem privaten Betreiber von Reha-Kliniken, der Berliner Median- Gruppe, stehen weitere Zukäufe auf der Agenda.
Ende vergangener Woche hatten Advent und der Londoner Immobilien-Investor Marcol bekannt gegeben, Median zu erwerben. Über das Volumen der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Median wird von Branchenexperten auf einen Umsatz von rund 300 Mio. Euro taxiert. Die Gruppe verfügt an 19 Standorten über 27 Einrichtungen mit mehr als 6.000 Betten. Die Gründer des Unternehmens haben das Unternehmen aus Altersgründen veräußert, wie es aus der Median-Gruppe heißt.
Der Markt für Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen wird in Deutschland von privaten Anbietern dominiert, die 57 Prozent der 1239 Einrichtungen betreiben. Die freigemeinnützigen folgen mit 25,3 Prozent vor den öffentlichen Häusern (17,7 Prozent). Gemessen an der Bettenzahl liegt der Anteil der Privaten sogar noch höher – nämlich bei Zwei Dritteln. Neben Median zählen Mediclin aber auch der Klinik-Konzern Asklepios zu den größten privaten Betreibern.
Die Private-Equity-Gesellschaft Advent ist bereits seit vielen Jahren im Gesundheitsmarkt engagiert. 2005 kaufte das Unternehmen den Pflegebetreiber Casa Reha, an dem die Gesellschaft immer noch rund 30 Prozent der Anteile hält. In Großbritannien erwarb Advent im vergangenen Jahr den Spezialpflege-Anbieter Craegmoor Healthcare.
Das Handelsblatt berichtet in der heutigen Ausgabe über die geplante Regulierung für Manager alternativer Investmentsfonds und lässt mit Burkhard Balz, neuer EU-Parlamentarier aus Niedersachsen eine kritische Stimmen zu Wort kommen. Laut Balz (CDU) sind “eine Reihe der geplanten Bestimmungen auf Private Equity nicht anwendbar”. Die EU müsse bei der Regulierung stärker zwischen Private Equity und Hedge-Fonds differenzieren. Während Private Equity-Gesellschaften ausschließlich in Unternehmen investieren, können Hedge-Fonds Investitionen in alle möglichen Anlagen und Instrumente tätigen. Damit greift Balz die Bedenken der Private-Equity-Branche auf, die für die deutsche Wirtschaft erhebliche Bedeutung hat. Hierzulande sind 6.200 überwiegend mittelständische deutsche Unternehmen mit Private-Equity-Kapital finanziert. Diese Unternehmen beschäftigen 1,2 Mio. Mitarbeiter und machen rund 200 Mrd. Euro Umsatz im Jahr. Der BVK fordert schon seit Jahren eine gesetzlichen Rahmen für Private Equity und hat daher prinzipiell nichts gegen eine EU-Richtlinie einzuwenden. In seiner jetzigen Form ist der Richtlinienentwurf für die Branche aber untragbar und würde das Geschäftsmodell kaputtmachen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte in der August-Ausgabe ihrer Working Paper Series eine Studie zum Thema „On the Real Effects of Private Equity – Investment Evidence from New Business Creation“. Gerade in den letzten Jahren rückte das Interesse zur Rolle von Private Equity in der Finanzierung neuer kleiner Unternehmen immer mehr in den Mittelpunkt. Während Banken sich wegen zu hoher Unsicherheiten und großer Informationsasymmetrien zunehmend aus dem Kreditvergabegeschäft mit kleinen Unternehmen zurückziehen, schließen Private Equity-Investoren mit ihren Möglichkeiten des „stage financing“, den individuell abgeschlossenen Verträgen und vor allem der aktiven Begleitung der finanzierten Unternehmen genau diese Lücke. Das Working Paper der EZB untersucht diese Entwicklungen und den Effekt, welchen Einfluss Private Equity auf Unternehmensgründungen in Europa nimmt.
Der Studie zur Folge hat Private Equity generell und Venture Capital speziell einen positiven Effekt auf die Marktplatzierung innovativer Ideen. Die Studie legte hierbei keinen Fokus auf den Umsatz der betrachteten Unternehmen, sondern vielmehr auf den Einfluss, den Private Equity-Investitionen auf unternehmerisches Handeln in einer Volkswirtschaft nehmen. Betrachtet wurden die Jahre 1998-1999 und 2006-2007.
Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig Private Equity für Europa und damit auch für Deutschland ist: Demnach ist die Ausgestaltung von forschungs- und entwicklungsintensiven Industrien mit hohen Markteinstiegsbarrieren signifikant höher, je ausgeprägter die Private Equity-Branche im jeweiligen Land ist. Dabei sind unabhängige Private Equity-Fonds wirtschaftlich und statistisch signifikant, während konzerneigene und öffentliche Fonds auf neue Unternehmensgründungen nahezu keinen Effekt haben. Venture Capital- und Start-up-Finanzierungen sind der Studie nach vergleichbar mit den gesamten Private Equity-Investments, wobei dies 2006-2007 stärker ausgeprägt war als in den Jahren 1998-1999. Die Daten für die Studie entnahm die EZB dem EVCA Yearbook und der Amadeus Database.
Die gesamte Studie und weitere Ergebnisse finden sie hier: http://www.ecb.int/pub/pdf/scpwps/ecbwp1078.pdf
Die jährlich erscheinende Studie “European Attractiveness Survey” zeigt überraschend stabile Foreign Direct Investments, also ausländische Direktinvestitionen, für das Jahr 2008 in Europa auf. Für das Jahr 2009 geht man jedoch von einer deutlichen Trendwende aus. Die Investmentbranche sieht in Europa einen sehr stabilen und sicheren Zielmarkt. Den BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) steht man deutlich differenzierter gegenüber, jedoch prognostiziert man einen langfristigen Trend von einer West-nach-Ost-Verschiebung für ausländische Direktinvestitionen.
„Die sog. Emerging Regions bieten nicht die sichersten Rahmenbedingungen für international agierende Investoren, weisen jedoch ein Wachstum auf, welches durch eine Kombination aus Warenproduktion und einer neuen asiatischen Mittelschicht vorangetrieben wird“, so das Ergebnis des Report, welcher sich auf die Befragung von 809 Entscheidungsträgern der Investmentbranche bezieht. Solange die Krise anhalten wird und sich die Märkte nicht beruhigt haben, wird zunehmend in den Heimatmärkten investiert, so die Tendenz.
Investoren können gegenwärtig kein zu hohes Investitionsrisiko eingehen. Profitieren davon tut vorerst Europa. Die befragten Investoren gehen jedoch davon aus, dass das neue Google oder Microsoft eher aus Mumbai oder Shanghai kommt, als aus Paris oder Berlin, so das Ergebnis Studie. Kurzfristig betrachtet man Europa als sicheren Hafen, perspektivisch wird jedoch zunehmend in Asien investiert.
Branchenkreisen vernehmend stützen KKR und Goldman Sachs den Gabelstaplerhersteller Kion mit einem Gesellschafterdarlehen in dreistelliger Millionenhöhe. Der nach Toyota weltweit zweitgrößte Gabelstaplerhersteller leidet in der gegenwärtigen Konjunkturflaute unter massiven Auftragseinbrüchen. Die finanzielle Unterstützung ist ein klares Bekenntnis zu der Beteiligung und gerade in Krisenzeiten ein wichtiger Beitrag, das Unternehmen robuster und damit wettbewerbsfähiger Aufzustellen. Der überarbeitet Geschäftsplan sei überzeugend und deshalb seien beide Eigentümer bereit, einen „signifikanten Beitrag“ zu leisten.
„Das ist ein klares Signal, dass die Eigentümer von unserem Kurs langfristig überzeugt sind“, sagte ein Kion-Sprecher. Mit mehr als 100 Mio. € wäre es eine der größten Kapitalspritzen von Private Equity-Investoren in Europa.
Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds machen mobil gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Regulierung von Alternative Investment Funds Manager (AIFM) wie Private Equity-Fonds, Hedgefonds und anderen alternativen Anlagen. Dies berichtet die FTD in ihrer heutigen Ausgabe. Sollte die Richtlinie in ihrer jetzigen Form umgesetzt werden, würde dies die Auswahl möglicher Investments einschränken und die Renditen, die Pensionseinrichtungen erzielen können, verringern, kritisierte Joanne Segars, Chefin der britischen Vereinigung der Pensionsfonds NAPF. Ähnlich äußerte sich Hermes Pension Fund Management, die mehr als 30 Mrd. GBP für die British Telecom verwalten.
Damit positionieren sich die institutionellen Investoren in den bevorstehenden Diskussionen, wenn sich ab Herbst die EU-Regierungen und das Europaparlament mit dem im April vorgelegten Richtlinienvorschlag für AIFM befassen. Danach sollen Manager alternativer Anlagen in der EU staatlicher Aufsicht unterliegen, sobald sie mehr als 100 Mio. € verwalten. Für Private-Equity-Fonds ist eine Schwelle von 500 Mio. € geplant. Fondsmanager außerhalb der EU müssten künftig EU-Standards einhalten, um ihre Fonds in Europa zu verkaufen. Die EU will so den Beschluss der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) umsetzen, wonach keine Finanzakteure unbeaufsichtigt bleiben sollen. Während Frankreich und Deutschland eine strenge Regulierung wünschen, stellt sich Großbritannien schützend vor die Londoner Finanzbranche. Daneben versucht auch das US-Finanzministerium über seine politischen Kanäle in Brüssel zu erreichen, dass der Vertrieb von US-Fonds nicht erschwert wird.