Die US-amerikanische Private Equity-Gesellschaft Blackstone plant, bis zu acht Beteiligungen im kommenden Jahr an die Börse zu bringen und mindestens fünf weitere Unternehmen zu verkaufen. Nachdem sich der US-Finanzinvestor im August noch zurückhaltend gezeigt hatte, möchte das Unternehmen nun die verbesserten Konditionen am Kapitalmarkt nutzen. Der Verkaufsprozess hat bereits begonnen; die Bewertungen liegen etwa doppelt so hoch, wie sie Ende des vergangenen Jahres geschätzt wurden. Es wird erwartet, dass Investoren aus dem Verkauf von Unternehmen als Gewinnbeteiligung voraussichtlich 2,8 Mrd. $ (1,9 Mrd. €) erhalten. Blackstone plant außerdem die Börsengänge acht seiner Beteiligungen, in die mehr als 4 Mrd. $ investiert wurden.
Auch andere Private Equity-Gesellschaften hatten bereits angekündigt, Beteiligungen zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.
Eine aktuell veröffentlichte Studie des Private Equity-Dachfonds Capital Dynamics und Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner (TU München) hat ergeben, dass die Wertschöpfung von Unternehmen durch Private Equity nicht nur vom Fremdkapital abhängig ist. Für die Untersuchung wurden die Daten von 241 Unternehmen aus den Jahren 1989 bis 2006 ausgewertet. Die Studie stellt eine der umfangreichsten zur Analyse von Wertsteigerungshebeln in Private-Equity-Transaktionen dar.
Die Untersuchung zeigt, dass unter Beteiligung von Private Equity eine durchschnittliche Wertsteigerung von 272 % erreicht werden konnte. Hierbei wurde deutlich, dass die Wertschöpfung nicht nur von Fremdkapital, das durch Private Equity in die Unternehmen eingebracht wird, abhängig ist. Der Leverage-Effekt, also die Erhöhung der Eigenkapitalrendite durch den Einsatz von Fremdkapital, macht nur ein Drittel der gesamten Wertschöpfung aus. Dagegen werden zwei Drittel der Wertsteigerung durch operative Verbesserungen im Unternehmen generiert. Diese ergaben sich dabei vor allem durch Umsatzsteigerungen. Somit leistet das eingebrachte Fremdkapital einen geringeren Beitrag zur Wertsteigerung von Private Equity-finanzierten Unternehmen, als allgemein angenommen. Ohne den Leverage-Effekt würde der Wert der Unternehmen bei einer durchschnittlichen Haltedauer von 3,5 Jahren immer noch um 184 % steigen. Damit macht die Studie deutlich, dass Private Equity-Gesellschaften auch mit einem reduzierten Einsatz von Fremdkapital eine beachtliche Wertsteigerung des Unternehmens realisieren können.
Eine weitere Erkenntnis der Studie besteht darin, dass Unternehmen, die sich zum Zeitpunkt des Einstiegs von Private Equity-Gesellschaften in einer Krisensituation befanden, überdurchschnittliche Renditen erreichen, die vor allem durch Umsatzwachstum generiert werden.
Die jüngst veröffentlichte Studie “Challenges in a new world” der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zeigt, dass Private Equity einen entscheidenden Beitrag für die Wertschöpfung von Unternehmen in ganz Europa leistet. Untersucht wurden rund 300 Private Equity-finanzierte Unternehmen mit einem Wert von mehr als 100 Mio Euro, die von 2006 bis 2008 veräußert wurden.
Europäische Unternehmen, an denen Private Equity-Gesellschaften beteiligt sind, weisen der Studie zufolge beeindruckende Gewinn- und Leistungssteigerungen auf. So sind deren Umsätze in der Zeit zwischen Einstieg und Ausstieg der Beteiligungsgesellschaft um jährlich 15% gewachsen, die Beschäftigungszahlen stiegen um 5% und die Produktivität um 9%. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen zeigt die Studie, dass bei 62% der Unternehmen eine klare Wachstumsstrategie hinter dem Engagement der Beteiligungsgesellschaften stand. Andererseits geht das Umsatzwachstum in Private Equity-finanzierten Unternehmen unmittelbar auf Wachstumsinitiativen zurück, aus denen ein sogenanntes organisches Wachstum resultierte (also ein Wachstum, das nicht durch Zukäufe, sondern durch die unternehmenseigene Wachstumskraft entstanden ist). Damit sind diese Unternehmen besser aufgestellt als Unternehmen ohne diese Art der Finanzierung. Z.B wächst die Beschäftigung in Private Equity-finanzierten Unternehmen schneller an. Auch wachsen die von Beteiligungsgesellschaften unterstützen Firmen insgesamt stärker als ihre börsennotierten Vergleichsunternehmen. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Die europäische Private Equity-Branche zeigt Bereitschaft, auch Unternehmen in der Krise in ihrem Portfolio zu behalten.
Die vollständige Studie finden Sie hier