Immer mehr mittelständische Unternehmen finanzieren ihr Wachstum mit Private Equity. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmen Rödl & Partner. Über 300 in Deutschland tätige Beteiligungsgesellschaften wurden im Frühjahr 2010 befragt, 38 % der Gesellschaften beteiligten sich an der Erhebung.
Beteiligungskapital wird im Mittelstand immer mehr zu einer gängigen Finanzierungsform. Vor allem bei der Finanzierung von Wachstum greifen mittelständische Unternehmen auf Private Equity zurück. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Beteiligungsgesellschaften zunehmend bereit sind, auf Mehrheitsbeteiligungen zu verzichten. Mehr als die Hälfte der befragten Gesellschaften akzeptiert eine Beteiligung von weniger als 50 %, eine Minderheitsbeteiligung von unter 25 % würden 27 % der Private Equity-Gesellschaften eingehen. Außerdem hat sich die durchschnittliche Haltedauer von Beteiligungen erhöht, was den mittelständischen Unternehmen entgegen kommt. Mehr als drei Viertel der Beteiligungsgesellschaften streben längerfristige Beteiligungen von bis zu zehn Jahren an.
Weiteres Ergebnis der Studie: Der deutsche Mittelstand ist für Beteiligungsgesellschaften nach wie vor äußerst attraktiv. 80 % des Beteiligungskapitals wird in mittelständische Unternehmen investiert. Dabei sind insbesondere Unternehmen aus der IT-Branche (44,4 %) für Investoren interessant. Auch die Bereiche Umwelttechnologie (35,2 %), Medizintechnik und Biotech (je 29,6 %) sowie Erneuerbare Energien sind für die Beteiligungsgesellschaften attraktiv. Ausschlaggebend für eine Beteiligung ist die Innovationskraft der Unternehmen.
Beliebtester Standort für Investitionen ist Bayern (35,5 %), vor Nordrhein-Westfalen (27,8 %) und Baden-Württemberg (18,5 %). Das für Beteiligungsgesellschaften attraktivste Bundesland in Ostdeutschland ist Sachsen (4,3 %). Gründe für die Präferenzen der Private Equity-Gesellschaften sind unter anderem die Wirtschaftsstruktur, die Zahl der attraktiven Unternehmen und die aktive Gründerszene in den jeweiligen Regionen.
Die Studie macht außerdem deutlich, dass Private Equity nicht nur auf die „Big Deals“ reduziert werden darf, denn trotz Finanzkrise ist der Markt sehr aktiv und die Beteiligungsgesellschaften zeigen sich optimistisch: 66 % der Private Equity-Gesellschaften erwarten eine im Vergleich zum Vorjahr positivere Entwicklung des Marktes. Als wichtigstes Hindernis für eine positive Entwicklung werden die schwierigen steuerlichen Rahmenbedingungen für Private Equity in Deutschland angesehen.
Die Beteiligungsgesellschaft Advent International hat für seinen fünften Lateinamerika-Fond 1,65 Mrd. $ bei den institutionellen Investoren eingeworben. Mit diesem Volumen ist er der größte Fonds, der jemals für Lateinamerika aufgelegt worden ist. Trotz der aktuellen Finanzkrise konnte damit das Volumen des Vorgängerfonds um 25 % übertroffen werden. Da viele Schwellenländer im Vergleich zu „reiferen“ Industrienationen ein stärkeres Wirtschaftswachstum aufweisen, investieren Private Equity-Gesellschaften zunehmend in Unternehmen aus solchen Regionen. Laut einem Bericht im Handelsblatt vom 13. April plant Advent Investitionen in Unternehmen mit einem Wert von 50 bis 750 Mio. $.
Die Beteiligungsgesellschaft hat seit 1996 insgesamt rund fünf Mrd. $ für Investitionen in Lateinamerika aufgebracht.
Gleich vier erfolgreiche Börsengänge gab es in den vergangenen zwei Wochen. Alle Börsenneulinge zählen Beteiligungsgesellschaften zu ihren Gesellschaftern. Der IPO des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG) am 22. März war der größte deutsche Börsengang seit zwei Jahren. Der bisherige Eigentümer des Unternehmens, die Beteiligungsgesellschaft Providence Equity Partners, bleibt vorerst Mehrheitsaktionär. Der IPO von Kabel Deutschland brachte einen Erlös von 760 Mio. € ein. Nur wenige Tage später folgte der Börsengang der Modekette Tom Tailor mit einem Emissionsvolumen von rund 165 Mio. €. Das Unternehmen befindet sich seit 2005 im Eigentum der Beteiligungsgesellschaft Alpha.
Seit dem 29. März werden nun auch die Aktien des Chemikalienhändlers Brenntag an der Frankfurter Börse gehandelt. Der Börsengang des Unternehmens, das bisher im Besitz der Private Equity-Gesellschaft BC Partners war, hatte ein Emissionsvolumen von 748 Mio. €. Die Aktie schloss an ihrem ersten Handelstag 8 % über ihrem eigentlichen Ausgabepreis von 50 €. Nur einen Tag später kam der chinesische Amaturenhersteller Joyou zu seinem Börsendebüt – seine Aktien lagen sogar 12 % über dem Ausgabepreis. Auch dieses Unternehmen wurde zuvor von chinesischen Beteiligungsgesellschaften finanziert.
Alle IPOs der letzten Wochen sind bei den Anlegern auf große Nachfrage gestoßen. Insgesamt haben die vier Börsendebütanten Kabel Deutschland, Brenntag, Tom Tailor und Joyou damit innerhalb einer Woche 1,75 Mrd. € eingesammelt. Dagegen hat es seit Herbst 2007 in Deutschland nur vier Börsengänge im regulierten Markt mit einem Gesamterlös von 630 Mio. € gegeben.
Die vier erfolgreichen Börsengänge können eine Vorreiterrolle übernehmen und den deutschen IPO-Markt wieder zu neuem Leben erwecken, denn ermuntert durch die erfolgreichen Börsenpremieren könnten nun weitere Unternehmen diesen Weg der Kapitalbeschaffung gehen. Zudem belegen die jüngsten IPOs eine Tendenz, wonach Private Equity-finanzierte Unternehmen in den letzten Jahren mehr als die Hälfte der Börsenneulinge in Deutschland ausmachten.