• Kalender

  • Februar 2012
    M D M D F S S
    « Jan    
     12345
    6789101112
    13141516171819
    20212223242526
    272829  
    Folgen Sie uns auf Twitter

    GEO-METRIK – Seit 18 Jahren in der richtigen Spur

    Nur rund 90 Minuten benötigt der Taiwan High Speed Rail für die 345 Kilometer von der Hauptstadt Taipeh bis ins Industriezentrum im Süden der Insel. An der schnellsten Bahnstrecke auf dem Globus, dem größten Schienenbauwerk der Gegenwart, haben Unternehmen aus aller Welt mitgebaut. GEO-METRIK aus Halle gehört dazu. Damit der superschnelle Shinkansen-Zug auf der erdbebensicheren „Stelzenbahn“ sicher an sein Ziel kommt, muss die Gleisspur auf den Millimeter genau richtig liegen. Die Vermessungsingenieure von GEO-METRIK hatten den Auftrag, die 123 Hochgeschwindigkeitsweichen in den Bahnhofsbereichen und damit verbundene rund 75 Kilometer Gleis zu vermessen und einzurichten. „Das Gleiskonstrukt lag in einer Trogwanne und wurde nach der Montage mit Flüssigbeton fixiert“, erklärt Vorstandsvorsitzender Bernd Paul. Ein solches Betonbett heißt in der Ingenieursprache „feste Fahrbahn“, im Unterschied zum Schottergleisbett. Um die Gleise in Lage und Höhe exakt einzurichten, arbeitete das Team mit einem im Unternehmen entwickelten Messverfahren. 20 eigene Leute und noch einmal so viele Mitarbeiter eines Projektpartners waren zwischen Januar 2004 und September 2005 in Taiwan vor Ort, einige über Monate. Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Jürgen Prochnow lobt das leistungsfähige Projektmanagement: „Taiwan musste aus dem Stand mit Leuten besetzt werden, die Englisch sprachen und sofort ihre Koffer packen konnten.“ Schwieriger als die Hitze und tropische Taifune waren die ständigen leichten Erdbeben, weil sie mitunter die Arbeit eines ganzen Tages zunichtemachten.

    Die Taiwan-Baustelle war mit 6,5 Millionen Euro der bisher größte Auslandsauftrag in der Firmengeschichte. Diese internationale Referenz hat das Interesse weiterer ausländischer Auftraggeber geweckt, darunter China. Einen solchen gewaltigen „Brückenschlag“ vom regionalen Vermessungsdienstleister zum weltweit gefragten Spezialisten hätten sich die heutigen Unternehmensvorstände Bernd Paul und Thomas Henze „auf gar keinen Fall“ träumen lassen, als sie damals, beide Anfang 30, im April 1991 gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern die GEO-METRIK Vermessungs-GmbH gründeten. „Wir hätten als Vermessungsingenieure auch ins Amt gehen können. Aber wir waren jung, innovativ, sehr dynamisch und wollten etwas bewegen“, macht Thomas Henze den Willen zur Selbstständigkeit nachvollziehbar. „Und wir hatten keine Ahnung, was da alles dranhängt“, fügt Bernd Paul hinzu. Mit fünf Niederlassungen und 280 Mitarbeitern des ehemaligen Staatsbetriebs für Kartografie und Geodäsie, mit Trabis im Fuhrpark, aber ohne Eigenkapital starteten sie zunächst in einer alten Baracke als Firmensitz. „Der Markt war zu diesem Zeitpunkt günstig. In Ostdeutschland musste alles neu vermessen werden. Und wir fanden gute Partner.“ Einer davon war die ebenfalls gerade erst gegründete Bürgschaftsbank, die GEO-METRIK eine ihrer ersten Existenzgründerbürgschaften gewährte: „Erst nachdem wir eine zweistündige Prüfung abgelegt hatten“, erinnert sich Paul schmunzelnd.

    Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich die Vermessungstechnik in Quantensprüngen entwickelt: Digitale Geräte, Computerauswertung, Ortungssatelliten haben die trigonometrischen Punkte ersetzt. Der aus der Kindheit bekannte Mann mit der rotweißen Vermessungsstange wurde abgelöst von einem „hochgerüsteten“ Spezialisten mit mobilem Vermessungsgerät auf dem Rücken und Laptop vor dem Bauch, über den er die Messdaten gleich in die Datenbank im Büro überträgt. Das Unternehmen hat einen Teil seiner acht Millionen Euro Investitionen in die hochmoderne Technik gesteckt. Die im Vergleich zu den meisten Vermessungsbüros stattliche Unternehmensgröße erwies sich als Vorteil, weil die Hallenser damit auch umfangreiche Projekte bedienen können. Recht schnell wurden sie mit repräsentativen Projekten beauftragt und eröffneten bereits nach einem Jahr im slowakischen Poprad ihre erste ausländische Niederlassung. Heute sind sie auch in Tschechien, Russland, Vietnam, China und Australien präsent und betreuen mit Ingenieurdienstleistungen rund um Geodaten weltweit etwa 6.000 Kunden. 15 Töchter in Deutschland arbeiten an Bauwerken auf Schiene, Straße, Wasserstraße mit, vermessen Gas- oder Wasserleitungsnetze unter der Erde oder steigen in den Himmel auf, um digitale Luftbilder von Liegenschaften aufzunehmen. Die Tochterunternehmen sind auf die sehr unterschiedlichen Anforderungen ihrer Kunden spezialisiert. „Aber weil wir alle dasselbe Handwerk gelernt haben, können wir bei Bedarf ganz schnell große Teams bilden und auf einer Baustelle konzentrieren“, erklärt Thomas Henze.

    Die hohe Disponibilität, die Zusammenfügung großer Kapazitäten bei Bedarf, ist ein wichtiger Vorteil auf dem Markt. Henze: „Beim Bau der ICE-Strecke Frankfurt–Köln hat es keine andere Firma geschafft, 75 Leute mit Autos und Technik runterzuschicken.“ Dieser Flexibilität folgte im Jahr 2003 auch die Unternehmensstruktur. GEO-METRIK wurde Aktiengesellschaft, die ehemaligen Niederlassungen sind heute selbstständige GmbHs, die Entscheidungen in Eigenverantwortung treffen können. Das Kerngeschäft wird ergänzt durch die BIANCON Gesellschaft für Biotopanalyse sowie seit 2005 um den Geodatendienstleister SipeQ. Außerdem hat das Vermessungsunternehmen eine eigene PKW-Leasinggesellschaft gegründet, weil sich damit der hohe Mobilitätsbedarf besser rechnet.

    Insgesamt rund 200 fest angestellte Mitarbeiter – der Altersdurchschnitt liegt bei 40 Jahren und über 40 Prozent sind Ingenieurpersonal – haben in den vergangenen 14 Jahren etwa 150 Millionen Euro umgesetzt. Obwohl Vermessungsleistungen im Durchschnitt maximal 1,5 Prozent Anteil an den Gesamtkosten eines Projektes haben, entscheidet sich gerade mit dieser Leistung, ob ein Bauwerk am Ende gerade und an der richtigen Stelle steht. Vom Inlandsmarkt erwartet der Vorstand vorerst „keinen großen Beitrag zu Aufträgen“. Paul verweist auf die Verkehrsinfrastruktur. „Deshalb müssen wir im Ausland akquirieren.“

    2005 wurde GEO-METRIK INTERNATIONAL gegründet. Damit ist das Unternehmen endgültig aus den Kinderschuhen herausgewachsen, die einst von der Bürgschaftsbank gepolstert wurden. Die außerdem vor drei Jahren von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft übernommene Beteiligung soll 2006 zurückgezahlt werden. „Aber ohne diese Starthilfen wäre das mit uns damals nichts geworden“, glauben Paul und Henze. Die alte Gründerbaracke spielte beim 10-jährigen Firmenjubiläum, zu dem als Ehrengast auch Hans-Dietrich Genscher anreiste, noch einmal die Hauptrolle. Ein Hallenser Fernsehteam hatte einen Krimi in der Machart der „Polizeiruf“-Serie gedreht. Am Ende ordnet „Polizeiruf“-Kommissar Schneider alias Winkler in Anspielung auf die geplante Umstrukturierung zur Aktiengesellschaft an: „Nicht verhaften. Kaufen!“



    Impressum | Sitemap