DIW-Studie zu Private Equity 

DIW-Studie: „Die Bedeutung von Buy-Outs/-Ins für unternehmerische Effizienz, Effektivität und Corporate Governance“

Private Equity hat nicht nur für deutsche Unternehmen sondern auch für die deutsche Wirtschaft eine große Bedeutung. Dies belegt die neue Studie „Die Bedeutung von Buy-Outs/-Ins für unternehmerische Effizienz, Effektivität und Corporate Governance“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) erstellt wurde. Sie untersucht die Entwicklung des deutschen Marktes für Mehrheitsbeteiligungen (Buy-Outs) und gibt einen Überblick über die einschlägige nationale und internationale wirtschaftswissenschaftliche Forschung zum Thema. Vorurteile über die Buy-Out-Branche wurden in einen finanzwirtschaftlichen Kontext gestellt und auf Stichhaltigkeit überprüft.

Die zentralen Aussagen der Studie lauten:

  • Die Auswirkungen von Buy-Outs, die mit Fremdkapital finanziert werden (Leveraged Buy-Outs) werden von der überwältigenden Mehrheit der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung positiv bewertet. Leveraged Buy-Outs sind ein wichtiger Antrieb für Wert erhöhende Entwicklungen in den Unternehmen.
  • Diese Erkenntnis wird durch folgende Tatsache unterstützt: Die USA konnten im Anschluss an die Buy-Out- und Take-Over-Welle der 80er Jahre in den 90er Jahren wieder einen Vorsprung beim Wachstum der Arbeitsproduktivität gegenüber Europa gewinnen.
  • Der deutsche Buy-Out-Markt ist zwar in den letzten Jahren in nahezu allen Marktsegmenten gewachsen, befindet sich aber dennoch erst in einer Entwicklungsphase, wofür der vergleichsweise geringe Anteil der Buy-Out-Volumina am BIP und die immer noch geringe Bedeutung deutscher Fonds spricht.
  • Der Buy-Out-Markt in Deutschland ist maßgeblich vom Umbruch in der Unternehmensfinanzierung, dem partiellen Rückzug von Banken als aktiver Investor und der Neuorientierung der Banken im direkten Kreditgeschäft mit den Unternehmen geprägt. Unternehmen sind verstärkt Finanzierungsbeschränkungen unterworfen, die durch Private Equity als Finanzierungsalternative gemildert werden können.
  • Der Aufschwung im deutschen Buy-Out-Markt, vor allem bei mittelständischen Buy-Outs, ist sichtbarer Ausdruck von Verschiebungen in der Struktur der Unternehmensfinanzierung in Deutschland weg von traditionellen Wegen hin zu Finanzierungen, bei denen aktive Eigenkapitalinvestoren gleichzeitig strukturiertes Fremdkapital anbieten.
  • Die Situation in Deutschland ist von folgenden Merkmalen gekennzeichnet:
    1. Das Buy-Out-Geschehen ist hierzulande stark durch den Mittelstand geprägt.
    2. Zahlreiche Unternehmer in Deutschland haben mit dem Nachfolgeproblem zu kämpfen, die zum Teil durch Private Equity-Investoren aufgefangen werden.
    3. Buy-Outs, die auf den Verkauf von Konzernteilen zurückzuführen sind, haben einen hohen Marktanteil.
  • Infolge dessen besteht ein großes Potenzial für Instrumente, die das Zusammenbringen von Nachfragern (potenzielle Verkäufer der Unternehmen) und Anbietern (Buy-Out-Fonds) verbessern.
  • Ein funktionsfähiger Buy-Out-Markt ist geeignet, den Ansprüchen von Familienunternehmen in hohem Maße entgegenzukommen.
  • Die auf Eigentümerkonzentration und direkte Beteiligung des Managements am Unternehmenserfolg ausgerichteten Buy-Outs führen zu einer Einheit von Eigentum und Kontrolle und zur Verschränkung von Eigentümer- und Unternehmerinteressen.
  • Trotz einzelner gescheiterter Fälle gibt es keine Anzeichen für ein „überhöhtes“ Insolvenzrisiko von Buy-Outs.
  • Fremdkapitalfinanzierungen (Leverage) im Rahmen von Buy-Outs verfügen über ein Disziplinierungspotenzial durch Budgetbeschränkungen, Effizienzpotenzial durch strukturierte Finanzierungen und führen zur Optimierung der Kapitalkosten.

Die Studie kommt daher zu folgenden Schlussfolgerungen über die Rolle des Buy-Out-Marktes im deutschen Finanzsystem:

  • Der deutsche Buy-Out-Markt füllt Lücken auf dem Finanzmarkt, die der Bankensektor nicht ausfüllen kann bzw. durch seine Neuorientierung hinterlassen hat.
  • Private Equity-Gesellschaften nehmen eine Komplementärfunktion zum Bankensektor ein. Sie bewirken eine zusätzliche Aktivierung von Fremdkapital, vermindern Finanzierungsbeschränkungen und beschleunigen die Restrukturierung im Unternehmenssektor.
  • Der Buy-Out-Markt erweitert die Palette der zur Verfügung stehenden Finanzierungsalternativen. Das trägt zur Komplettierung des deutschen Finanzmarktes bei und erhöht den Wettbewerb um die besten Finanzierungslösungen.
  • Deutsche Buy-Out-Gesellschaften bleiben sowohl bei der Verwaltung der Fonds als auch im Hinblick auf den Zugang und die Möglichkeiten der Strukturierung der Transaktionen hinter den vorhandenen Möglichkeiten zurück. Es ist davon auszugehen, dass mit einer konsequenten Ausschöpfung des Entwicklungspotenzials durch einheimische Gesellschaften positive Wirkungen für den Finanzstandort Deutschland verbunden wären.
  • Die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Buy-Out-Branche in internationaler Hinsicht ist davon abhängig, ob gleiche Spielregeln für alle Wettbewerber geschaffen werden. Doch eine solche Gleichheit der Spielregeln ist nicht vorhanden. Deutsche Private Equity-Fonds müssen gegenüber ihren internationalen Konkurrenten Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen.

Die vollständige Studie finden Sie hier (PDF, 296 KB)



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