Die Geschichte von Private Equity 

  • Die Idee, die hinter der Finanzierungsform Private Equity steckt, ist so alt wie der Handel zwischen den Menschen selbst: Seit Jahrhunderten beteiligen sich Investoren mit Kapital und Beratung an wirtschaftlichen Projekten, um einer Idee zum Durchbruch zu verhelfen und es selbst zu Ruhm und Reichtum zu bringen. So wurde die Entdeckung Amerikas erst dadurch möglich, dass Christoph Kolumbus mutige Finanziers fur seine Reise fand. Aber auch viele andere weiße Flecken auf der Weltkarte wurden mit Hilfe von ahnlichen Investitionen erkundet.Bis Private Equity-Investoren wie wir sie heute kennen auf der Bildflache der Wirtschaftsgeschichte erscheinen, sollte es noch einige Jahrhunderte dauern. Doch seit Ende des 19. Jahrhunderts ist Private Equity ein wichtiger Impulsgeber fur die Wirtschaft und an den Zäsuren der neueren Weltgeschichte entscheidend beteiligt.
  • Die ersten Finanzierungen, die der heutigen Definition von Private Equity sehr nahe kommen, entstanden in den USA um 1900. Reiche Privatpersonen und Privatbanken finanzierten Unternehmensgründungen und -entwicklungen. Sie legten damit den Grundstein für die Industrialisierung. Auch in Deutschland wurden damals innovative Vorhaben von Einzelpersonen oder Familien finanziert. In dieser Zeit finden sich die Wurzeln heutiger Weltkonzerne wie Rockefeller, Philipps, AEG oder Mannesmann. Diese projektbezogene, informelle Form der Beteiligung war die Vorform einer Finanzierung, die auch heute zahlreichen Unternehmen den Sprung nach Vorne ermöglicht.
  • Die American Research & Development (AR&D) startete 1946 in den USA als Wagniskapitalgeber. Sie wurde die erste Gesellschaft, die der heutigen Definition eines Private Equity-Investors entspricht. AR&D investierte in junge Wachstumsunternehmen und bot neben dem Eigenkapital auch eine tatkräftige Managementunterstutzung.1957 kaufte der Investor fur 70.000 Dollar die Mehrheit an dem jungen Unternehmen Digital Equipment Corporation (DEC). 14 Jahre später hatte sich dieses zu einem führenden Unternehmen der Computerbranche entwickelt und AR&D erhielt den Lohn für seine Investitionen: Der Verkaufserlös fur die AR&D-Beteiligungen betrug 1971 rund 255 Millionen Dollar.
  • Mit kurzer Verzögerung begann 1960 auch in Deutschland die Institutionalisierung der Private Equity-Finanzierung. Die ersten deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften wurden gegründet. Diese finanzierten im Rahmen einer stillen Teilhaberschaft hauptsächlich bereits etablierte mittelstandische Unternehmen. Sie waren damit dem traditionellen Kreditgeschäft von Banken noch sehr verwandt. Das Ziel der Investoren war jedoch, die Eigenkapitalstruktur der Unternehmen zu verbessern, Innovationen zu fordern und Arbeitsplatze zu schaffen. Auch wenn diese ersten Private Equity-Gesellschaften noch eine sehr kleine volkswirtschaftliche Rolle spielten, so wirkten sie dennoch aktiv am deutschen Wirtschaftswunder mit.
  • In den 80er Jahren konzentrierten sich Private Equity-Firmen sukzessive auf Mehrheitsbeteiligungen. D.h. sie kauften Unternehmen in so genannten Buy-Outs, um sie spater gewinnbringend wiederzuveräußern. Mit dem Kauf des Nahrungsmittel-Riesen Nabisco, der bis heute besonders für seine Kekse bekannt ist, sorgte der amerikanische Private Equity-Investor KKR im Jahre 1988 mit dem ersten Megadeal der Branche fur Schlagzeilen. Die Unternehmensgründer Jerry Kohlberg, Henry Kravis, und George Roberts hatten das Unternehmen in einem atemberaubenden Wettlauf gegen andere Bieter fur 25 Milliarden Dollar erworben – eine Summe, die über ein Jahrzehnt unerreicht bleiben sollte.
  • Nach dem Auf und Ab der Interneteuphorie Anfang des neuen Jahrtausends gewann Private Equity auch in Deutschland wieder an Fahrt und profilierte sich nicht nur durch die Sanierung von Internet-Startups, sondern auch durch große Engagements in klassischen Industrieunternehmen. Ab 2003 erlebten die Deutschen zum Teil spektakuläre Mehrheitsbeteiligungen an Firmen wie Celanese, Premiere, Ruhrgas Industries, Brenntag, CBR, BASF Drucksysteme oder Debitel, für die mehrere hundert Millionen Euro bezahlt wurden. Es waren vor allem international agierende Private Equity-Firmen, die Deutschland als Markt entdeckten und dafür sorgten, dass Eigenkapital investiert wurde.
  • Private Equity hat sich heute endgültig als ein unverzichtbarer Player in der deutschen Wirtschaft etabliert. Derzeit sind mehr als 20 Mrd. Euro in über 6.400 Unternehmen investiert. Rund 1,2 Millionen Beschäftigte erwirtschafte 212 Mrd. Euro im Jahr. Private Equity-Kapital wirkt für Unternehmen wie ein Sprungbrett: Die Investoren setzen ihren Schwerpunkt heute immer mehr auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, investieren vor allen Dingen in den Mittelstand und engagieren sich auch langfristig. In einer sich ständig verändernden Wirtschaftswelt ist Private Equity ein wichtiger Impulsgeber für zukünftige Entwicklungen in Deutschland und dem Rest der Welt. Wir dürfen gespannt sein.


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